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Werkzeug für Teams #3 – Lernhacks und Formate für den Wissensaustausch

 

Was sind unkomplizierte und effektive Formate und Hacks, um Wissen im Team auszutauschen? In meinem letzten „Werkzeuge für Teams“-Blogeintrag habe ich euch versprochen, euch hierzu einen Überblick zu geben. Das beste dabei ist: Euer Team lernt nicht nur Neues dazu – ihr verbringt auch „Quality Time“ miteinander und es macht Spaß. Ein entscheidender Mehrwert, gerade jetzt, wo langsam wieder persönliche Begegnungen möglich werden. Aber: Auch virtuell könnt ihr die Formate gut umsetzen. Nutzt die Vorschläge so, wie es zu euren Teammitgliedern, euren Rahmenbedingungen und eurer Zielstellung am besten passt! Hier kommen meine Top-10-Hacks für Wissensmanagement und #Learnagility im Team:

  1. Lunch & Learn: Neben dem Hunger auch noch den Wissensdurst stillen? Trefft euch regelmäßig über die Mittagspause für einen lockeren Wissensaustausch. Das perfekte Zeitfenster, um die Kolleg*innen in maximal 1 Stunde aufzuschlauen, welches tolle neue Tool ihr kennen gelernt habt, welches Modell ihr den anderen schon immer einmal vorstellen wolltet, welche Erkenntnisse ihr aus einer Schulung mitgenommen habt o.ä. Alle Teilnehmenden dürfen es sich während des Vortrags gemütlich machen und beim Zuhören essen.
  2. Elevator Pitch: Kurz & knackig, dieses Erfolgskonzept lohnt sich nicht nur, wenn es darum geht, jemandem im Fahrstuhl in drei Minuten von deiner neuesten Geschäftsidee zu überzeugen, sondern auch, wenn ihr Wissen teilen wollt. Ob im Rahmen eines regelmäßigen Teammeetings, eines Lunch&Learns oder eines Extra-Termins, hier stellen die Teilnehmenden sich gegenseitig in max. 5 Minuten vor, welches Buch, welches Video, welchen Podcast o.ä. sie ihren Kolleg*innen ans Herz legen.
  3. Fuck-up-Night: Aus Fehlern lernen macht klug, das gilt insbesondere für die Fuck-up-Nights. Ein Erfolgskonzept, das es mittlerweile in vielen deutschen Städten gibt und zunehmend auch in Unternehmen genutzt wird, um eine positive Fehlerkultur zu etablieren. Hier wird bewusst geteilt, wo Fehler gemacht wurden oder jemand gescheitert ist. Denn mal ehrlich: Ist uns allen schon passiert, und statt darüber zu schweigen, lasst uns lieber daraus lernen!
  4. Check-in & Check-out: Oft sind es die kurzen, aber kontinuierlichen Formate, die helfen, eine Lernkultur im stressigen Arbeitsalltag mit Hilfe von liebgewonnnenen Ritualen zu etablieren. Trefft euch gezielt zum Start und Abschluss der Woche für maximal 15 Minuten. Reihum erzählt jede*r im Team, welche größte Herausforderung diese Woche ansteht. Am Ende der Woche teilt jede*r mit, was das größte Learning (ein Erfolgserlebnis, eine Erkenntnis, ein Fehler…) war.
  5. Feedback-Rituale: Lernen und Feedback gehören zusammen wie Herz und Seele oder Rotz und Löffel. Ihr habt noch kein Feedback-Ritual in eurem Team? Dann wird es höchste Zeit! Teilt beim Wochen-Check-out nicht nur eure persönlichen Learnings, sondern auch ein konkretes positives Feedback an eine*n Kolleg*in. Für die Feedbackprofis gibt es Kudo-Karten oder die warme Dusche. Und neben all den positive vibes braucht es auch das ehrliche Ansprechen, wenn etwas nicht passt. Vielzitiert, aber unschlagbar: Die 3-W-Regel der wertschätzenden Kommunikation: Wahrnehmung (Ich-Botschaft!), Wirkung (Ich-Botschaft!), Wunsch (Ich-Botschaft). Was der oder die andere draus macht, ist seine*ihre Sache. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass euer Feedback ankommt, ist mit 3-W nicht schlecht 🙂
  6. Rotation Day: Nichts kann die Augen mehr öffnen, als die Perspektive einer anderen Person einzunehmen. Also: Mal mitlaufen (z.B. bei den Kolleg*innen in der Filiale, die die Prozesse umsetzen, die du in der Zentrale erdacht hast), mal über die Schulter schauen (z.B. den Kolleg*innen der Nachbarabteilung, denen du zuarbeitest), mal zuhören (dem Kolleg*innen im Call-Center z.B., die an der Kund*innenfront das regeln, was du dir am Schreibtisch ausgedacht hast), usw.
  7. Wikis: In vielen Unternehmen sind Wikis als Wissensplattform nicht mehr weg zu denken. Als ich 2008 meine Masterarbeit zum Thema Lernen mit Confluence geschrieben habe, war Wikipedia schon sehr beliebt (siehe S. 28 im Personalmagazin). Aber die Vorstellung, gemeinsam Wissen zu dokumentieren, frei zugänglich und bearbeitbar für alle im Unternehmen – teilweise noch unvorstellbar. Wissen ist doch Macht! Ja, aber nicht, wenn wir es für uns behalten. Working out loud ist das Gebot der Stunde. Heißt konkret: Wenn du was weißt, schreib es im Unternehmens-Wiki auf, dann wird es sichtbar, neue Kolleg*innen können schnell eingearbeitet werden, und du (also Autor*in) wirst vermutlich als Expert*in für den persönlichen Austausch gefragter denn je. Nicht zuletzt: Euer Wissen erhält nicht nur Transparenz, sondern v.a. eine Struktur.
  8. Lerncockpit: Was schreiben wir nicht alles in Projektplänen auf. Aber plant ihr auch euer Lernen? Lernen wird effektiver, wenn ihr es schriftlich plant. Haltet also in einem persönlichen Lerncockpit fest: Welche Kompetenzen habt ihr schon? Was soll dazu kommen? Bis wann? Wie wollt ihr es erreichen? Wen oder was braucht ihr dafür? Idealerweise plant ihr in 3 Monats-Zyklen und aktulisiert das Dokument regelmäßig. Auch Team-Lerncockpits sind eine gute Idee. Und nicht zuletzt: Nutzt diese Planung v.a. bei anstehenden Konferenzen oder Schulungen: Notiert drei Dinge, die ihr dort lernen/erfahren wollt, haltet drei Dinge fest, die ihr dort gelernt habt, notiert drei Dinge, die ihr konkret umsetzen oder zu denen ihr mit jemandem sprechen wollt. Ihr werdet staunen, wie nachhaltig Lernen mit diesem simplen Tool plötzlich wird!
  9. Mind-Map, Sketchnotes & Co: Die Beliebtheit von Sketchnotes und Mind-Maps ist nicht verwunderlich. Unser Gehirn liebt es, assoziativ zu lernen und Visualisierungen helfen dabei enorm. Ihr müsst keine begnadeten Künstler*innen zu sein, um mit simplen Mind-Maps oder Sketchnotes, z.B. in Meetings, Schulungen oder bei Konferenzen, das vermittelte Wissen fest zu halten- im Internet findet ihr zahlreiche Videos, die euch in wenigen Minuten zeigen, wie es geht. Ihr werdet euch Gelerntes so besser merken können, ihr könnt es einfacher ergänzen als jeden Fließtext und habt eine gute Basis, um eure Erkenntnisse beim nächsten Lunch&Learn den anderen vorzustellen.
  10. Kollegiale Beratung und Learning-Circles: Lesen, recherchieren, vor sich hin grübeln – alles gut und schön, doch am besten lernen wir in sozialen Kontexten. Hier kann ich Fragen stellen, erhalte neue Sichtweisen, bekomme Tipps und kann mir in Diskussionen eine Meinung bilden und lernen diese zu vertreten oder zu erweitern. Die Kollegiale Fallberatung ist eine simple, aber effektive Methodik, die ich hier näher beschriebe. Zu Learning-Circles gibt es eine großartige Website, die noch dazu spannende Lernstrecken zum Ausprobieren bereithält. Es lohnt sich, hier zu stöbern!

Und jetzt? Probiert aus, was am besten zu euch passt! Wenn ihr euch darüber hinaus Unsterstützung beim strukturierten Aufbau eures Wissensmanagements und einer Lernkultur in eurer Organisation wünscht, sagt Bescheid!